2026: Das Jahr der Weichenstellung für ViDA, E-Rechnung und KI-Agenten
20.11.2025
Ein Statement von Carlos Mercuriali, SVP & GM of International Business Operations bei Avalara
2026 wird ein Schlüsseljahr für das Steuer- und Rechnungswesen in Deutschland und Europa. Vor dem Hintergrund der Umsetzung zentraler EU-Initiativen, E-Rechnungsmandate und dem Aufstieg von KI-gestützter Compliance stehen Unternehmen an einem wichtigen Wendepunkt. Es folgen vier Entwicklungen, die das kommende Jahr besonders prägen werden.
1) Strategischer Fokus: VAT in the Digital Age (ViDA)
Das ViDA-Maßnahmenpaket wurde am 11. März diesen Jahres endgültig vom Rat der Europäischen Kommission verabschiedet und wird schrittweise bis zum 1. Januar 2035 umgesetzt. Ganz konkret geht es dabei um die Frage, wie das europäische Mehrwertsteuersystem an aktuelle Entwicklungen – insbesondere im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung – angepasst werden kann. Das Paket beinhaltet Vorschläge zur Erhöhung der Betrugssicherheit des Systems, etwa durch die Einführung eines elektronischen Meldesystems und der verpflichtenden Nutzung elektronischer Rechnungen. Auch wenn bis zum Stichtag noch etwas Zeit bleibt: Um vorbereitet zu sein, werden viele Unternehmen im nächsten Jahr erste Schritte unternehmen, um Umsetzungsstrategien zu entwerfen und die Planung aufzunehmen. Mit anderen Worten: 2026 wird das Jahr der strategischen Weichenstellung.
2) Die Aufholjagd geht weiter: Das deutsche E-Rechnungsmandat
Seit dem 1. Januar 2025 müssen deutsche Betriebe E-Rechnungen empfangen können; die Pflicht zur Ausstellung erfolgt stufenweise. Ab dem 1. Januar 2027 sind Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von über 800.000 Euro verpflichtet, im B2B-Bereich elektronische Rechnungen zu versenden. Betriebe, deren Vorjahresumsatz unter dieser Grenze liegt, dürfen bis zum 31. Dezember 2027 weiterhin andere Rechnungsformate – etwa in Papierform oder als PDF – verwenden. Da die Fristen näher rücken, wird 2026 ein entscheidendes Übergangsjahr. Viele Unternehmen, insbesondere KMU, haben akuten Nachholbedarf. Im Dezember 2024 zeigte eine Bitkom-Studie, dass wenige Wochen vor der Einführung 45 Prozent der deutschen Betriebe E-Invoices empfangen konnte; 55 Prozent nutzte das Format bei ausgehenden Rechnungen. Unternehmen werden das Thema im nächsten Jahr weiter vorantreiben. Zudem werden sie 2026 stärker in vernetzte, standardisierte Prozesse investieren, um den Austausch mit Geschäftspartnern zu vereinfachen und E-Rechnungen reibungslos in den eigenen Geschäftsalltag zu integrieren.
3) Vom Pilotprojekt zum neuen Standard: KI-Agenten im Steuerwesen
Im Jahr 2026 werden viele deutsche und europäische Unternehmen aus dem Mittelstand, aber auch dem Enterprise-Bereich, KI-Agenten für die Steuer-Compliance in ihren ERP- und Finanzsystemen einsetzen. Der Fokus liegt hier auf Agenten, die Mitarbeiter nicht nur unterstützen, sondern aktiv Aufgaben übernehmen: Sie beobachten, beraten und führen Aufgaben aus – direkt eingebettet in die Arbeitsumgebung. Für den DACH-Raum und besonders Deutschland bedeutet das: Lokale Regelwerke wie etwa Mehrwertsteuersätze oder E-Rechnungsmandate können in diese Systeme integriert werden, sodass die Klassifizierung, Beratung und das Einrechnen von Unterlagen automatisiert im Hintergrund erfolgt. Natürlich kann und sollte nicht jeder Prozess vollständig autonom ablaufen. Die finale Freigabe und Kontrolle obliegt auch weiterhin den Mitarbeitern selbst.
4) Ein Megatrend, der Gestalt annimmt: „Agentic Compliance“
Noch einen Schritt weitergedacht: Agentic Compliance, also der Ansatz, dass das Thema Compliance nicht nachträglich in IT-Lösungen hinzugefügt, sondern von Beginn an fest verankert sein sollte, gewinnt 2026 weiter an Bedeutung. Weniger abstrakt bedeutet das, KI-Agenten sind direkt in Geschäftssysteme eingebettet, überprüfen Daten und Arbeitsabläufe, analysieren Nutzungsaktivitäten, sprechen Empfehlungen zu Maßnahmen, Risiken und Compliance-Anforderungen aus und übernehmen Berechnungen, Validierungen sowie Dokumentenklassifizierungen. So wandelt sich Compliance von einer manuellen Belastung zu einem nahtlosen, skalierbaren und intelligenten Prozess, der zu jedem Zeitpunkt konsistent und nachvollziehbar abläuft.
Deutschlands Steuersystem ist besonders komplex. Nicht umsonst entfällt laut einer Untersuchung der KfW besonders für Mittelständler im Median 3 Prozent der Arbeitszeit, und damit bis zu 15 Stunden im Monat, auf dem Abarbeiten bürokratischer Anforderungen. Der Großteil betrifft hier die Erledigung von Steuerangelegenheiten, gefolgt von Aufbewahrungs- und Dokumentationspflichten und Vorgaben im Rechnungswesen. Daher spielen Automatisierung und Künstliche Intelligenz besonders in DACH eine zentrale Rolle. Gerade mittelständische Unternehmen, die außerdem massiv vom Fachkräftemangel betroffen sind, werden zunehmend auf intelligente, selbstständig agierende Lösungen setzen, um Effizienz und Genauigkeit zu steigern.
2026: Das Jahr der Weichenstellung für ViDA, E-Rechnung und KI-Agenten
20.11.2025
Ein Statement von Carlos Mercuriali, SVP & GM of International Business Operations bei Avalara
2026 wird ein Schlüsseljahr für das Steuer- und Rechnungswesen in Deutschland und Europa. Vor dem Hintergrund der Umsetzung zentraler EU-Initiativen, E-Rechnungsmandate und dem Aufstieg von KI-gestützter Compliance stehen Unternehmen an einem wichtigen Wendepunkt. Es folgen vier Entwicklungen, die das kommende Jahr besonders prägen werden.
1) Strategischer Fokus: VAT in the Digital Age (ViDA)
Das ViDA-Maßnahmenpaket wurde am 11. März diesen Jahres endgültig vom Rat der Europäischen Kommission verabschiedet und wird schrittweise bis zum 1. Januar 2035 umgesetzt. Ganz konkret geht es dabei um die Frage, wie das europäische Mehrwertsteuersystem an aktuelle Entwicklungen – insbesondere im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung – angepasst werden kann. Das Paket beinhaltet Vorschläge zur Erhöhung der Betrugssicherheit des Systems, etwa durch die Einführung eines elektronischen Meldesystems und der verpflichtenden Nutzung elektronischer Rechnungen. Auch wenn bis zum Stichtag noch etwas Zeit bleibt: Um vorbereitet zu sein, werden viele Unternehmen im nächsten Jahr erste Schritte unternehmen, um Umsetzungsstrategien zu entwerfen und die Planung aufzunehmen. Mit anderen Worten: 2026 wird das Jahr der strategischen Weichenstellung.
2) Die Aufholjagd geht weiter: Das deutsche E-Rechnungsmandat
Seit dem 1. Januar 2025 müssen deutsche Betriebe E-Rechnungen empfangen können; die Pflicht zur Ausstellung erfolgt stufenweise. Ab dem 1. Januar 2027 sind Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von über 800.000 Euro verpflichtet, im B2B-Bereich elektronische Rechnungen zu versenden. Betriebe, deren Vorjahresumsatz unter dieser Grenze liegt, dürfen bis zum 31. Dezember 2027 weiterhin andere Rechnungsformate – etwa in Papierform oder als PDF – verwenden. Da die Fristen näher rücken, wird 2026 ein entscheidendes Übergangsjahr. Viele Unternehmen, insbesondere KMU, haben akuten Nachholbedarf. Im Dezember 2024 zeigte eine Bitkom-Studie, dass wenige Wochen vor der Einführung 45 Prozent der deutschen Betriebe E-Invoices empfangen konnte; 55 Prozent nutzte das Format bei ausgehenden Rechnungen. Unternehmen werden das Thema im nächsten Jahr weiter vorantreiben. Zudem werden sie 2026 stärker in vernetzte, standardisierte Prozesse investieren, um den Austausch mit Geschäftspartnern zu vereinfachen und E-Rechnungen reibungslos in den eigenen Geschäftsalltag zu integrieren.
3) Vom Pilotprojekt zum neuen Standard: KI-Agenten im Steuerwesen
Im Jahr 2026 werden viele deutsche und europäische Unternehmen aus dem Mittelstand, aber auch dem Enterprise-Bereich, KI-Agenten für die Steuer-Compliance in ihren ERP- und Finanzsystemen einsetzen. Der Fokus liegt hier auf Agenten, die Mitarbeiter nicht nur unterstützen, sondern aktiv Aufgaben übernehmen: Sie beobachten, beraten und führen Aufgaben aus – direkt eingebettet in die Arbeitsumgebung. Für den DACH-Raum und besonders Deutschland bedeutet das: Lokale Regelwerke wie etwa Mehrwertsteuersätze oder E-Rechnungsmandate können in diese Systeme integriert werden, sodass die Klassifizierung, Beratung und das Einrechnen von Unterlagen automatisiert im Hintergrund erfolgt. Natürlich kann und sollte nicht jeder Prozess vollständig autonom ablaufen. Die finale Freigabe und Kontrolle obliegt auch weiterhin den Mitarbeitern selbst.
4) Ein Megatrend, der Gestalt annimmt: „Agentic Compliance“
Noch einen Schritt weitergedacht: Agentic Compliance, also der Ansatz, dass das Thema Compliance nicht nachträglich in IT-Lösungen hinzugefügt, sondern von Beginn an fest verankert sein sollte, gewinnt 2026 weiter an Bedeutung. Weniger abstrakt bedeutet das, KI-Agenten sind direkt in Geschäftssysteme eingebettet, überprüfen Daten und Arbeitsabläufe, analysieren Nutzungsaktivitäten, sprechen Empfehlungen zu Maßnahmen, Risiken und Compliance-Anforderungen aus und übernehmen Berechnungen, Validierungen sowie Dokumentenklassifizierungen. So wandelt sich Compliance von einer manuellen Belastung zu einem nahtlosen, skalierbaren und intelligenten Prozess, der zu jedem Zeitpunkt konsistent und nachvollziehbar abläuft.
Deutschlands Steuersystem ist besonders komplex. Nicht umsonst entfällt laut einer Untersuchung der KfW besonders für Mittelständler im Median 3 Prozent der Arbeitszeit, und damit bis zu 15 Stunden im Monat, auf dem Abarbeiten bürokratischer Anforderungen. Der Großteil betrifft hier die Erledigung von Steuerangelegenheiten, gefolgt von Aufbewahrungs- und Dokumentationspflichten und Vorgaben im Rechnungswesen. Daher spielen Automatisierung und Künstliche Intelligenz besonders in DACH eine zentrale Rolle. Gerade mittelständische Unternehmen, die außerdem massiv vom Fachkräftemangel betroffen sind, werden zunehmend auf intelligente, selbstständig agierende Lösungen setzen, um Effizienz und Genauigkeit zu steigern.
