„Kein POC um des POC willen“ - Ein Interview mit Oliver Queck, CRO von Skaylink

 

08.04.2026

   

Markus Reck

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, doch zwischen Hype und Wirklichkeit klafft im deutschen Mittelstand oft eine beträchtliche Lücke. Oliver Queck verantwortet bei Skaylink unter anderem Vertrieb, Marketing und die Microsoft Midmarket Unit. Im Gespräch mit dem TechTrüffelMagazin erklärt er, warum ein Proof of Concept ohne strategischen Unterbau zum Scheitern verurteilt ist, weshalb Datensicherheit von Anfang an mitgedacht werden muss – und warum der deutsche Mittelstand gerade jetzt Mut zur Transformation braucht.

TechTrüffelMagazin: Oliver, stell dich doch bitte kurz vor. Was verantwortest du bei Skaylink?

Oliver Queck: Mein Name ist Oliver Queck. Ich verantworte bei Skaylink mehrere Bereiche: den Vertrieb und das Marketing, unsere großen Accounts im Ende-zu-Ende-Managed- und Professional-Services-Geschäft sowie seit Neuestem unsere komplette Microsoft Midmarket Unit.

TechTrüffelMagazin: Was ist der zentrale Mehrwert, den Skaylink seinen Kunden bietet?

Oliver Queck: Unser USP ist, dass wir Kunden Ende-zu-Ende betreuen können – von Datacenter-Lösungen bis hin zu KI-Lösungen in der Cloud, immer mit dem klaren Ziel einer Cloud-Transformation. Da wir aber wissen, dass kein Kunde komplett in der Cloud ist, sondern die meisten hybrid arbeiten, können wir genau diese hybriden Szenarien hervorragend abdecken. Ob im AWS- und Microsoft-Umfeld oder eben mit unseren eigenen Rechenzentren. Und dadurch, dass wir inzwischen der Digitalisierungsarm der Vodafone in Deutschland sind, haben wir zusätzliche Anknüpfungspunkte, um Kunden auf dem Weg von reiner Konnektivität hin zu digitalen Lösungen und letztlich auch KI zu begleiten.

TechTrüffelMagazin: KI ist das große Thema, das viele Unternehmen umtreibt – aber auch verunsichert. Wie geht Skaylink an KI-Projekte heran, wenn ein Kunde sagt: „Helft uns mal“?

Oliver Queck: Es kommen viele Kunden zu uns und sagen: „Wir brauchen einen KI-Use-Case, weil unser Vorstand das will.“ Da sind wir ehrlich und sagen: Wir können euch einen Proof of Concept bauen – aber ohne strategischen Unterbau wird der sterben. Aus zwei Gründen: Erstens muss die Transformation von oben getrieben werden. Der Use Case darf kein Selbstzweck sein, sondern braucht einen messbaren Business Value, der von der Geschäftsführung getragen wird. Zweitens muss man das große Ganze im Blick behalten. Was viele bei POCs vergessen: Man braucht Zugriff auf die Unternehmensdaten. Das KI-Projekt an sich ist vielleicht ein Investment von 100.000 Euro. Aber der Data Lake, die Integration verschiedener Datenquellen aus SAP, MES oder PLM – das ist das eigentlich Große. Der ROI des ersten Use Case muss bereits so signifikant sein, dass er diese Infrastruktur-Investition rechtfertigt. Mit dieser Ehrlichkeit gehen wir auf unsere Kunden zu.

TechTrüffelMagazin: Das heißt, ihr müsst euch auch in die Geschäftsprozesse des Kunden hineindenken?

Oliver Queck: Ja, wobei wir keine klassischen Strategieberater sind – wir sind IT-Experten. Den Spagat, die Geschäftstransformation mitzugestalten, schaffen wir aus einer dezidiert technischen Perspektive. Wir maßen uns nicht an, die Prozesse eines Maschinenbauers besser zu verstehen als er selbst. Aber die Übersetzung seiner Anforderungen in die passende Technologie – das ist unser Job. Wir schauen uns gemeinsam mit dem Kunden an, welche Datenquellen im Einsatz sind, wo welche APIs genutzt werden, und bauen daraus eine belastbare Architektur. Ein typischer Maschinenbauer hat ein SAP-System, dazu ganz viel unstrukturiertes Wissen in SharePoint-Umgebungen – das schauen wir uns gesamtheitlich an.

TechTrüffelMagazin: Datensicherheit dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen. Wie adressiert ihr das Thema?

Oliver Queck: Data Security ist ein Thema, das wir von Anfang an in jedes Projekt einbauen. Konkret geht es darum, wie wir Daten labeln, damit klar ist, welche Daten für KI-Anwendungen genutzt werden dürfen, und wie wir die Data Governance darüber aufsetzen. Wir erleben es immer wieder: Kunden lassen ihre Mitarbeiter wild Power Apps bauen, und plötzlich hat ein Praktikant Zugriff auf die Gehaltstabellen aus HR. Wenn so ein Störfeuer kommt, ist ein KI-Projekt normalerweise tot. Deshalb bringen wir Sicherheitsaspekte von Tag eins mit rein – sei es über rollenbasierte Zugriffskonzepte oder hartes Data Labeling. Und ja, selbst beim Labeling kann man inzwischen auf KI zurückgreifen. Sonst würde man bei den Datenmengen ja wahnsinnig werden.

TechTrüffelMagazin: Es gab ja auch prominente Fälle, in denen KI-Integrationen zu Sicherheitslücken geführt haben …

Oliver Queck: Genau. Man hat ambitionierte Pläne, möchte KI in die eigenen Unternehmensdaten eintauchen lassen, um den vollen Kontext zu haben. Aber wenn man die Architektur drumherum halbherzig aufzieht oder IT-Security nicht von Anfang an mitdenkt, reißt man riesige Löcher in die eigene Sicherheitslandschaft. Es muss nicht mal ein Angriff von außen sein – es reicht schon, wenn der falsche Mitarbeiter intern auf Daten zugreifen kann, die ihn nichts angehen.

TechTrüffelMagazin: Skaylink nutzt KI auch intern. Welche Erfahrungen gebt ihr an Kunden weiter?

Oliver Queck: Wir setzen natürlich selbst auf KI-Unterstützung, etwa über GitHub Copilot bei der Entwicklung oder bei Landing-Zone-Deployments mit Infrastructure as Code. Allerdings habe ich keine guten Erfahrungen damit gemacht, mit pauschalen Effizienzversprechen beim Kunden aufzuschlagen. Im Bereich Service-Desk-Automatisierung haben wir natürlich Erfahrungswerte, die wir einbringen können. Aber die Unternehmen im gehobenen Mittelstand sind sehr individuell. Große Beratungshäuser vergleichen gerne Unternehmen innerhalb einer Peergroup – das tun wir bewusst nicht. Wir schauen uns den konkreten Prozess an und geben dann eine individuelle Effizienzabschätzung ab.

TechTrüffelMagazin: Stichwort Vodafone: Wie sieht die Zusammenarbeit in der Praxis aus?

Oliver Queck: Vodafone konnte das digitale Geschäft bislang nur über Partner adressieren. Mit uns hat der Konzern jetzt eine eigene Wertschöpfungseinheit, die gerade dort unterstützt, wo Vodafone stark ist – etwa bei Connectivity und IoT. Wir ergänzen das mit Dienstleistungen und Managed Services. Besonders im Microsoft-Umfeld sehen wir erhebliche Potenziale: Vodafone ist globaler Telco Partner of the Year bei Microsoft, und wir können dort, wo Vodafone Lizenzen verkauft, unsere Services draufsetzen. Für uns bedeutet das einen enormen Marktzugang – plötzlich haben wir Zugang zu 500 Vertriebsmitarbeitern. Davon träumen viele. Und das Ganze ist komplementär: Wir sind als eigene Liefereinheit der Vodafone unterwegs, da gibt es kaum Überschneidungen.

TechTrüffelMagazin: Wie steht es um das Thema Sovereign Cloud? Machen sich eure Kunden Sorgen?

Oliver Queck: Das muss man differenziert betrachten. Multinationale Unternehmen machen sich tendenziell weniger Sorgen als rein deutsch oder europäisch agierende. Klar ist aber auch: Um Microsoft kommt eigentlich niemand herum, es sei denn, man investiert massiv in Eigenentwicklungen. Gleichzeitig muss man das Thema Souveränität realistisch betrachten – wenn vermeintlich souveräne europäische Anbieter amerikanische oder chinesische Hardware und Software-Stacks nutzen, darf man schon fragen, wie souverän das wirklich ist. Wir können unseren Kunden souveräne Alternativen der Hyperscaler anbieten, etwa die AWS European Sovereign Cloud oder Delos. Und für besonders kritische Daten haben wir unser eigenes Rechenzentrum – das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber reinen Cloud-Playern.

TechTrüffelMagazin: Gibt es einen Trend zurück ins eigene Rechenzentrum?

Oliver Queck: Die Zukunft ist hybrid, daran gibt es keinen Zweifel. Wir haben durchaus Kunden, die auch Workloads aus der Cloud wieder ins Rechenzentrum zurückholen. Das ist aber weiterhin eine Ausnahme. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht pauschal zu beantworten, Souveränitätsüberlegungen spielen da mit rein, aber nicht ausschließlich. Gerade für den Mittelstand ist unser Datacenter-Angebot interessant: Wir bieten Managed Services bis auf Betriebssystem-Ebene, wenn nötig inklusive Applikation. So muss sich ein Mittelständler keine eigene große IT-Abteilung aufbauen, was viele schlicht nicht stemmen könnten.

TechTrüffelMagazin: Euer Sweetspot ist der gehobene Mittelstand. Wie erlebst du die aktuelle Stimmung dort?

Oliver Queck: Unser Kerngeschäft liegt bei Unternehmen zwischen 500 und 5.000 Mitarbeitern. Für viele dieser Unternehmen sind wir faktisch die IT-Abteilung, das heißt, wir haben eine gewisse Gestaltungsfreiheit, wenn wir die Richtlinien kennen. Was mich umtreibt: In wirtschaftlich schwierigen Phasen neigt der deutsche Mittelstand dazu, abzuwarten, statt Chancen zu ergreifen. Das haben wir schon während der Corona-Pandemie gesehen, als die Digitalisierung in weiten Teilen verschlafen wurde. Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Transformation anzustoßen. Unternehmen müssen bereit sein, zwei, drei Dinge auszuprobieren – wovon auch gerne zwei scheitern dürfen. Aber man muss ins Handeln kommen.

TechTrüffelMagazin: Die Geschwindigkeit, mit der sich KI weiterentwickelt, stellt ja auch langfristige Transformationsprojekte infrage. Zweijährige Roadmaps könnten bei Fertigstellung schon veraltet sein – wie siehst du das?

Oliver Queck: Da bin ich ganz bei dir. Wenn du eine zweijährige Transformations-Pipeline aufbaust, ist die am Ende nicht mehr aktuell. Schau dir an, was OpenClaw angerichtet hat: Ein einzelner Entwickler aus Wien hat mit einem minimalen Budget in wenigen Wochen ein Agenten-Framework auf die Beine gestellt, das die gesamte Branche durcheinandergewirbelt hat – so sehr, dass er direkt von Sam Altman angeheuert wurde. Moltbook, das dazugehörige soziale Netzwerk für KI-Agenten, wurde gerade erst von Meta akquiriert. NVIDIA launcht auf der GDC neue Agenten-Plattformen. Da siehst du einfach, wie schnell sich die Landschaft verschiebt. Man muss da sein wie eine Hydra: Wenn ein Ansatz wegfällt, wachsen neue nach. Das setzt aber voraus, dass Unternehmen eine echte Fehlerkultur entwickeln – die Bereitschaft, mehrere Wege gleichzeitig zu gehen, Dinge nach drei Monaten auch mal zu verwerfen und daraus zu lernen, statt alles auf eine starre Plattform zu setzen. Diese Resilienz entsteht nicht durch lange Planungszyklen, sondern durch den Mut, ins Machen zu kommen.

TechTrüffelMagazin: Bei all dieser Experimentierfreude wächst natürlich auch das Risikoprofil. Welche Rolle spielt IT-Security in dieser offenen, schnelllebigen Welt?

Oliver Queck: IT-Security muss im Zentrum stehen, das ist klar. Aber ich glaube, wir müssen den Fokus verschieben: weg von einer rein nutzerzentrierten Sicherheit, hin zu einer datenzentrierten. In Zukunft werden nicht nur menschliche Nutzer auf Systeme zugreifen, sondern zunehmend auch Bots und KI-Agenten. Wenn du die Daten ins Zentrum deines Sicherheitskonzepts stellst, hast du einen tragfähigeren Ansatz, als wenn du dich nur auf die Nutzer beziehst. Das gilt übrigens auch für die Art, wie Unternehmen ihre digitalen Oberflächen gestalten: APIs und Services müssen so konzipiert sein, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für KI-Agenten zuverlässig lesbar und verarbeitbar sind. Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist enorm – wer da nicht Schritt hält, verliert den Anschluss.

Oliver Queck verantwortet bei Skaylink die Bereiche Vertrieb, Marketing sowie die Microsoft Midmarket Unit. Skaylink ist der Digitalisierungsarm der Vodafone in Deutschland und begleitet Unternehmen bei der Cloud-Transformation – von der Strategieberatung über die Implementierung bis hin zu Managed Services.

Das Interview führte Markus Reck.


 

„Kein POC um des POC willen“ - Ein Interview mit Oliver Queck, CRO von Skaylink

 

08.04.2026

   

Markus Reck

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, doch zwischen Hype und Wirklichkeit klafft im deutschen Mittelstand oft eine beträchtliche Lücke. Oliver Queck verantwortet bei Skaylink unter anderem Vertrieb, Marketing und die Microsoft Midmarket Unit. Im Gespräch mit dem TechTrüffelMagazin erklärt er, warum ein Proof of Concept ohne strategischen Unterbau zum Scheitern verurteilt ist, weshalb Datensicherheit von Anfang an mitgedacht werden muss – und warum der deutsche Mittelstand gerade jetzt Mut zur Transformation braucht.

TechTrüffelMagazin: Oliver, stell dich doch bitte kurz vor. Was verantwortest du bei Skaylink?

Oliver Queck: Mein Name ist Oliver Queck. Ich verantworte bei Skaylink mehrere Bereiche: den Vertrieb und das Marketing, unsere großen Accounts im Ende-zu-Ende-Managed- und Professional-Services-Geschäft sowie seit Neuestem unsere komplette Microsoft Midmarket Unit.

TechTrüffelMagazin: Was ist der zentrale Mehrwert, den Skaylink seinen Kunden bietet?

Oliver Queck: Unser USP ist, dass wir Kunden Ende-zu-Ende betreuen können – von Datacenter-Lösungen bis hin zu KI-Lösungen in der Cloud, immer mit dem klaren Ziel einer Cloud-Transformation. Da wir aber wissen, dass kein Kunde komplett in der Cloud ist, sondern die meisten hybrid arbeiten, können wir genau diese hybriden Szenarien hervorragend abdecken. Ob im AWS- und Microsoft-Umfeld oder eben mit unseren eigenen Rechenzentren. Und dadurch, dass wir inzwischen der Digitalisierungsarm der Vodafone in Deutschland sind, haben wir zusätzliche Anknüpfungspunkte, um Kunden auf dem Weg von reiner Konnektivität hin zu digitalen Lösungen und letztlich auch KI zu begleiten.

TechTrüffelMagazin: KI ist das große Thema, das viele Unternehmen umtreibt – aber auch verunsichert. Wie geht Skaylink an KI-Projekte heran, wenn ein Kunde sagt: „Helft uns mal“?

Oliver Queck: Es kommen viele Kunden zu uns und sagen: „Wir brauchen einen KI-Use-Case, weil unser Vorstand das will.“ Da sind wir ehrlich und sagen: Wir können euch einen Proof of Concept bauen – aber ohne strategischen Unterbau wird der sterben. Aus zwei Gründen: Erstens muss die Transformation von oben getrieben werden. Der Use Case darf kein Selbstzweck sein, sondern braucht einen messbaren Business Value, der von der Geschäftsführung getragen wird. Zweitens muss man das große Ganze im Blick behalten. Was viele bei POCs vergessen: Man braucht Zugriff auf die Unternehmensdaten. Das KI-Projekt an sich ist vielleicht ein Investment von 100.000 Euro. Aber der Data Lake, die Integration verschiedener Datenquellen aus SAP, MES oder PLM – das ist das eigentlich Große. Der ROI des ersten Use Case muss bereits so signifikant sein, dass er diese Infrastruktur-Investition rechtfertigt. Mit dieser Ehrlichkeit gehen wir auf unsere Kunden zu.

TechTrüffelMagazin: Das heißt, ihr müsst euch auch in die Geschäftsprozesse des Kunden hineindenken?

Oliver Queck: Ja, wobei wir keine klassischen Strategieberater sind – wir sind IT-Experten. Den Spagat, die Geschäftstransformation mitzugestalten, schaffen wir aus einer dezidiert technischen Perspektive. Wir maßen uns nicht an, die Prozesse eines Maschinenbauers besser zu verstehen als er selbst. Aber die Übersetzung seiner Anforderungen in die passende Technologie – das ist unser Job. Wir schauen uns gemeinsam mit dem Kunden an, welche Datenquellen im Einsatz sind, wo welche APIs genutzt werden, und bauen daraus eine belastbare Architektur. Ein typischer Maschinenbauer hat ein SAP-System, dazu ganz viel unstrukturiertes Wissen in SharePoint-Umgebungen – das schauen wir uns gesamtheitlich an.

TechTrüffelMagazin: Datensicherheit dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen. Wie adressiert ihr das Thema?

Oliver Queck: Data Security ist ein Thema, das wir von Anfang an in jedes Projekt einbauen. Konkret geht es darum, wie wir Daten labeln, damit klar ist, welche Daten für KI-Anwendungen genutzt werden dürfen, und wie wir die Data Governance darüber aufsetzen. Wir erleben es immer wieder: Kunden lassen ihre Mitarbeiter wild Power Apps bauen, und plötzlich hat ein Praktikant Zugriff auf die Gehaltstabellen aus HR. Wenn so ein Störfeuer kommt, ist ein KI-Projekt normalerweise tot. Deshalb bringen wir Sicherheitsaspekte von Tag eins mit rein – sei es über rollenbasierte Zugriffskonzepte oder hartes Data Labeling. Und ja, selbst beim Labeling kann man inzwischen auf KI zurückgreifen. Sonst würde man bei den Datenmengen ja wahnsinnig werden.

TechTrüffelMagazin: Es gab ja auch prominente Fälle, in denen KI-Integrationen zu Sicherheitslücken geführt haben …

Oliver Queck: Genau. Man hat ambitionierte Pläne, möchte KI in die eigenen Unternehmensdaten eintauchen lassen, um den vollen Kontext zu haben. Aber wenn man die Architektur drumherum halbherzig aufzieht oder IT-Security nicht von Anfang an mitdenkt, reißt man riesige Löcher in die eigene Sicherheitslandschaft. Es muss nicht mal ein Angriff von außen sein – es reicht schon, wenn der falsche Mitarbeiter intern auf Daten zugreifen kann, die ihn nichts angehen.

TechTrüffelMagazin: Skaylink nutzt KI auch intern. Welche Erfahrungen gebt ihr an Kunden weiter?

Oliver Queck: Wir setzen natürlich selbst auf KI-Unterstützung, etwa über GitHub Copilot bei der Entwicklung oder bei Landing-Zone-Deployments mit Infrastructure as Code. Allerdings habe ich keine guten Erfahrungen damit gemacht, mit pauschalen Effizienzversprechen beim Kunden aufzuschlagen. Im Bereich Service-Desk-Automatisierung haben wir natürlich Erfahrungswerte, die wir einbringen können. Aber die Unternehmen im gehobenen Mittelstand sind sehr individuell. Große Beratungshäuser vergleichen gerne Unternehmen innerhalb einer Peergroup – das tun wir bewusst nicht. Wir schauen uns den konkreten Prozess an und geben dann eine individuelle Effizienzabschätzung ab.

TechTrüffelMagazin: Stichwort Vodafone: Wie sieht die Zusammenarbeit in der Praxis aus?

Oliver Queck: Vodafone konnte das digitale Geschäft bislang nur über Partner adressieren. Mit uns hat der Konzern jetzt eine eigene Wertschöpfungseinheit, die gerade dort unterstützt, wo Vodafone stark ist – etwa bei Connectivity und IoT. Wir ergänzen das mit Dienstleistungen und Managed Services. Besonders im Microsoft-Umfeld sehen wir erhebliche Potenziale: Vodafone ist globaler Telco Partner of the Year bei Microsoft, und wir können dort, wo Vodafone Lizenzen verkauft, unsere Services draufsetzen. Für uns bedeutet das einen enormen Marktzugang – plötzlich haben wir Zugang zu 500 Vertriebsmitarbeitern. Davon träumen viele. Und das Ganze ist komplementär: Wir sind als eigene Liefereinheit der Vodafone unterwegs, da gibt es kaum Überschneidungen.

TechTrüffelMagazin: Wie steht es um das Thema Sovereign Cloud? Machen sich eure Kunden Sorgen?

Oliver Queck: Das muss man differenziert betrachten. Multinationale Unternehmen machen sich tendenziell weniger Sorgen als rein deutsch oder europäisch agierende. Klar ist aber auch: Um Microsoft kommt eigentlich niemand herum, es sei denn, man investiert massiv in Eigenentwicklungen. Gleichzeitig muss man das Thema Souveränität realistisch betrachten – wenn vermeintlich souveräne europäische Anbieter amerikanische oder chinesische Hardware und Software-Stacks nutzen, darf man schon fragen, wie souverän das wirklich ist. Wir können unseren Kunden souveräne Alternativen der Hyperscaler anbieten, etwa die AWS European Sovereign Cloud oder Delos. Und für besonders kritische Daten haben wir unser eigenes Rechenzentrum – das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber reinen Cloud-Playern.

TechTrüffelMagazin: Gibt es einen Trend zurück ins eigene Rechenzentrum?

Oliver Queck: Die Zukunft ist hybrid, daran gibt es keinen Zweifel. Wir haben durchaus Kunden, die auch Workloads aus der Cloud wieder ins Rechenzentrum zurückholen. Das ist aber weiterhin eine Ausnahme. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht pauschal zu beantworten, Souveränitätsüberlegungen spielen da mit rein, aber nicht ausschließlich. Gerade für den Mittelstand ist unser Datacenter-Angebot interessant: Wir bieten Managed Services bis auf Betriebssystem-Ebene, wenn nötig inklusive Applikation. So muss sich ein Mittelständler keine eigene große IT-Abteilung aufbauen, was viele schlicht nicht stemmen könnten.

TechTrüffelMagazin: Euer Sweetspot ist der gehobene Mittelstand. Wie erlebst du die aktuelle Stimmung dort?

Oliver Queck: Unser Kerngeschäft liegt bei Unternehmen zwischen 500 und 5.000 Mitarbeitern. Für viele dieser Unternehmen sind wir faktisch die IT-Abteilung, das heißt, wir haben eine gewisse Gestaltungsfreiheit, wenn wir die Richtlinien kennen. Was mich umtreibt: In wirtschaftlich schwierigen Phasen neigt der deutsche Mittelstand dazu, abzuwarten, statt Chancen zu ergreifen. Das haben wir schon während der Corona-Pandemie gesehen, als die Digitalisierung in weiten Teilen verschlafen wurde. Dabei wäre gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, Transformation anzustoßen. Unternehmen müssen bereit sein, zwei, drei Dinge auszuprobieren – wovon auch gerne zwei scheitern dürfen. Aber man muss ins Handeln kommen.

TechTrüffelMagazin: Die Geschwindigkeit, mit der sich KI weiterentwickelt, stellt ja auch langfristige Transformationsprojekte infrage. Zweijährige Roadmaps könnten bei Fertigstellung schon veraltet sein – wie siehst du das?

Oliver Queck: Da bin ich ganz bei dir. Wenn du eine zweijährige Transformations-Pipeline aufbaust, ist die am Ende nicht mehr aktuell. Schau dir an, was OpenClaw angerichtet hat: Ein einzelner Entwickler aus Wien hat mit einem minimalen Budget in wenigen Wochen ein Agenten-Framework auf die Beine gestellt, das die gesamte Branche durcheinandergewirbelt hat – so sehr, dass er direkt von Sam Altman angeheuert wurde. Moltbook, das dazugehörige soziale Netzwerk für KI-Agenten, wurde gerade erst von Meta akquiriert. NVIDIA launcht auf der GDC neue Agenten-Plattformen. Da siehst du einfach, wie schnell sich die Landschaft verschiebt. Man muss da sein wie eine Hydra: Wenn ein Ansatz wegfällt, wachsen neue nach. Das setzt aber voraus, dass Unternehmen eine echte Fehlerkultur entwickeln – die Bereitschaft, mehrere Wege gleichzeitig zu gehen, Dinge nach drei Monaten auch mal zu verwerfen und daraus zu lernen, statt alles auf eine starre Plattform zu setzen. Diese Resilienz entsteht nicht durch lange Planungszyklen, sondern durch den Mut, ins Machen zu kommen.

TechTrüffelMagazin: Bei all dieser Experimentierfreude wächst natürlich auch das Risikoprofil. Welche Rolle spielt IT-Security in dieser offenen, schnelllebigen Welt?

Oliver Queck: IT-Security muss im Zentrum stehen, das ist klar. Aber ich glaube, wir müssen den Fokus verschieben: weg von einer rein nutzerzentrierten Sicherheit, hin zu einer datenzentrierten. In Zukunft werden nicht nur menschliche Nutzer auf Systeme zugreifen, sondern zunehmend auch Bots und KI-Agenten. Wenn du die Daten ins Zentrum deines Sicherheitskonzepts stellst, hast du einen tragfähigeren Ansatz, als wenn du dich nur auf die Nutzer beziehst. Das gilt übrigens auch für die Art, wie Unternehmen ihre digitalen Oberflächen gestalten: APIs und Services müssen so konzipiert sein, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für KI-Agenten zuverlässig lesbar und verarbeitbar sind. Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist enorm – wer da nicht Schritt hält, verliert den Anschluss.

Oliver Queck verantwortet bei Skaylink die Bereiche Vertrieb, Marketing sowie die Microsoft Midmarket Unit. Skaylink ist der Digitalisierungsarm der Vodafone in Deutschland und begleitet Unternehmen bei der Cloud-Transformation – von der Strategieberatung über die Implementierung bis hin zu Managed Services.

Das Interview führte Markus Reck.